Gredhaus . Meersburg

mittelalterliches Kaufhaus . Meersburg
20.-22. März 2026

WP Site Responsive Art . HTWG Konstanz . SoSe 26
mit Studierenden der Architektur (BA8 und MAR)
in Kooperation mit der Jugendkunstschule des Bodenseekreis.

Ortsbezogene Kunstwerke . mittelalterliches Kaufhaus


DIE STILLE FLUTUNG DER ZEIT

Lynn Kückelhaus . Lia Wölfle 

Rauminstallation . ca. 5 x 7 Meter 

Die Installation entstand als ortsbezogene Arbeit in der Kunstschule Meersburg und setzt sich mit den Spuren des Gebäudes, seinem Verfall und seiner fortlaufenden Transformation auseinander. Ausgangspunkt war die Frage, wie aus dem Zerfall eines Hauses etwas Neues entsteht und wie sich dieser Prozess mit der Entstehung von Kunst verbinden lässt. 

Die Arbeit wird von oben betrachtet. Durch die an der Decke angebrachten Augen wird der Raum selbst zu einem Bildträger. Der Boden fungiert als Leinwand, auf der sich die einzelnen Elemente zu einem großformatigen Gemälde zusammensetzen. Die Betrachter nehmen dabei eine ungewöhnliche Perspektive ein: Sie blicken nicht auf ein Bild an der Wand, sondern auf ein Bild im Raum. 
Verwendet wurden Materialien, die sowohl auf den baulichen Zustand des Hauses als auch auf künstlerische Prozesse verweisen: alte Dachziegel, Glas, Alufolie, Bilderrahmen, eine Tür und ein Hammer. Sämtliche Materialien tragen bereits Spuren einer früheren Nutzung in sich und stehen damit für Vergangenheit, Erinnerung und Vergänglichkeit. 
Die Dachziegel liegen nicht mehr an ihrem ursprünglichen Ort auf dem Dach, sondern auf dem Boden. Dadurch wird die Ordnung des Hauses umgekehrt. Das Dach löst sich auf und fällt symbolisch in den Raum hinein. Nach unten hin verlieren die Ziegel zunehmend ihre feste Struktur und gehen in eine offene, fragmentierte Anordnung über. Dieser Prozess verweist auf den fortschreitenden Verfall der Architektur. 
Der Hammer steht als Werkzeug der Dekonstruktion. Er symbolisiert die aktive Zerstörung bestehender Strukturen, gleichzeitig aber auch die Voraussetzung für Veränderung. Die Farbspritzer an den Wänden markieren diesen Übergang: Was zunächst wie Spuren von Beschädigung wirkt, kann zugleich als Beginn eines künstlerischen Prozesses gelesen werden. Der Akt des Zerschlagens wird zum Akt des Gestaltens. 
Glas und Alufolie greifen die Nähe zum Bodensee auf. Sie reflektieren Licht und erzeugen die Vorstellung von Wasser. Das Wasser scheint durch ein Fenster in den Raum hineingesogen zu werden. Es dringt durch Ritzen und Öffnungen als Folge eines undichten Daches und einer brüchig gewordenen Bausubstanz. Gleichzeitig wird das eindringende Wasser zum Symbol für Erneuerung. 
Die Tür markiert eine Schwelle zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie verweist auf Übergänge und auf die Möglichkeit, einen neuen Raum zu betreten. Der Bilderrahmen nimmt Bezug auf die Kunst selbst. Sie rahmen nicht mehr klassische Bildflächen ein, sondern werden Teil der Installation und erweitern den Raum zum Bild. 
Die Arbeit versteht den Zerfall des Hauses nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt für Neues. Materialien, die ursprünglich Teil der Architektur waren, werden ihrer Funktion entzogen und in einen künstlerischen Zusammenhang überführt. Aus Dachziegeln, Glas und anderen Relikten entsteht eine neue Form. Der Verfall wird sichtbar gemacht, gleichzeitig wird er in einen kreativen Prozess transformiert. 
So thematisiert die Installation die enge Verbindung von Zerstörung und Entstehung. Das Haus verliert seine ursprüngliche Gestalt, doch gerade in diesem Verlust entsteht Raum für neue Bedeutungen. Die Kunstschule wird zu einem Ort, an dem aus den Überresten des Alten etwas Neues hervorgeht – durch die Ritzen des Verfalls. 



ICH SEHE WAS, WAS DU NICHT SIEHST

Yonca Ana Comino Aydin . Paula Kramer . Thea Schäfer

Installation, Rahmen mit Fundstücken aus dem Haus

Ich sehe was, was du nicht siehst und was siehst du?
Hervorhebung der Interpretation durch Inszenierung




kurz.geschichte

jonas baur . zoe kainacher . laura netzer . carolina steiner . marc windmüller

Installation durch gefundene Erinnerung in Form von Briefen, Bildern, und Postkarten

In der ehemaligen Hausmeisterwohnung des Gredhauses in Meersburg wird ein vergessener Wandschrank zur Zeitkapsel. Hinter seinen Türen liegen Fragmente einer Existenz: Ein Fundus privater Zeilen und gnadenloser Bürokratie, aus dem sich die Geschichte einer Familie zwischen höchstem Glück und tiefstem Fall rekonstruiert.
„Wo die Tinte der Mahnung die Zeilen der Liebe überschreibt, beginnt das Fundament zu wanken. Ein Zuhause wird zur Akte.“
Der Raum teilt sich in unversöhnliche Pole. Auf der einen Seite die leuchtenden Fragmente dessen, was Freude bereitete; gegenüber die erdrückende Präsenz der Ausweglosigkeit, verdichten sich zu einer Wand aus Papier und Verlust. In der Mitte hängen die Briefe als fragile Sollbruchstelle. Sie markieren den Moment, in dem die familiäre Idylle kippt. Die Installation macht sichtbar, wie sich Existenzangst in die intimsten Winkel eines Heims frisst, bis nur noch die Leere einer Räumung bleibt. 
Es bleibt die Frage, welches Bild eines Lebens sich aus diesen Spuren überhaupt zusammensetzen lässt?

Dokumentation (pdf)



LICHTVERMEHRUNG

Leonie Follert . Nora Martin . Klara Newels . Jeannette Vinitchi

Unsere Arbeit „Lichtvermehrung“ beschäftigt sich mit der Übertragung des Außenraumes in den Innenraum. Durch reflektierende Oberflächen holen wir das Licht, sowie die Spiegelung des Wassers nach innen, vervielfältigen und Streuens es und machen es als zentrales Gestaltungselement sichtbar.
Ausgangspunkt war der vorhandene Raum mit seinen Gebrauchsspuren und Schäden. Bestehende Elemente wurden mit Aluminiumfolie umhüllt und so in eine neue, reflektierende Oberfläche transformiert. Anstatt zu kaschieren, haben wir Elemente bewusst hervorgehoben und auf diese Weise in den Mittelpunkt gerückt.
Die Installation konzentriert sich auf wenige Materialien: Aluminiumfolie, einfache Holzrahmen und chromfarbene Stuhlgestelle. In ihrer Kombination entsteht im vorhandenen Raum ein Spannungsfeld zwischen Struktur, Bewegung und Licht. 
Ergänzt wird die visuelle Ebene durch eine klangliche Dimension. Durch geöffnete Fenster gerät die Aluminiumfolie in Bewegung und erzeugt ein Knistern, welches an das Rauschen des Sees erinnert. So verbindet die Installation Licht und Klang zu einer atmosphärischen Raumwirkung. Bei der die Spiegelung des Sees in den Innenraum übertragen und vermehrt wird.


LOSGELÖST

Lisa Eckhardt . Marius Fischer . Dania Kramer . Ron Weiler

Eine leerstehende Wohnung und Gegegenstände, die ihre Funktion verloren haben und nur noch als Formen im Raum existieren. Unser Kunstprojekt löst Gegenstände aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang und versetzt diese in Bewegung. 

An einer Schnur aufgehängt schwingen sie vor einer Wand und erzeugen je nach Lichteinfall wechselnde Schatten. Durch die Bewegung verändern sich ihre Formen und verlieren ihre klare Funktion und Identität. Im Mittelpunkt steht der Schatten: Gezeigt wird ausschließlich seine Projektion auf der Wand. Die unterscheidlichen Oberflächen der Räume beinflussen die Erscheinung der Schatten und erzeugen immer neue Variationen. Das Objekt selbst bleibt dabei verborgen und tritt in den Hintergrund, während sein Schatten zum eigentlichen Bild wird. 
Die Schattenbilder der einzelnen Gegenstände werden durch Videoaufnahmen festgehalten und zu einer Sequenz zusammengefügt. So entsteht aus den fließenden Bewegungen eine künstlerische Komposition, in der der Schatten selbst zur eigentlichen Erscheinung wird. Auch der Klang wird aus seinem ursprünglichen Umfeld gelöst – verzerrt, verlangsamt und verfremdet. In Kombination mit den Schattenbildern entsteht dadurch eine eigene, vieldeutige Bild- und Klangwelt, die interpretiert werden will, ohne sich eindeutig zu erklären.





SPUREN DES LEBENS

Nadine Fischer . Natalie Grözinger . Hanna Michalski . Saskia Teufel 

Regal, Fundstücke aus dem Haus, ca. 1,80 m x 0,8 m x 0,4 m 

In einem leerstehenden Raum bleiben Gegenstände zurück. Sie verweisen auf einen Alltag, der nicht mehr sichtbar ist. Dinge wurden aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und neu in Beziehung gesetzt. 
Sichtbar werden Spuren des Lebens und zugleich bleibt vieles offen. 



Stiller Ausblick 

Larissa Divo . Heinrich Knödler . Corinna Schleinkofer 


der See liegt still, verborgen weit,
und wartet dort seit langer Zeit.
kein freier Blick führt direkt hinaus,
der Horizont bleibt Gast im Haus.

im Spiegel wächst, was fern erschien,
lässt Licht und Wasser weiterzieh’n.
ein Bild zerfällt, fügt sich neu zusammen,
Kaleidoskop, Fragmente, verschwommen

Schritt für Schritt verändert sich der Ort,
der Blick wandert weiter und weiter hin fort
ein Raum, die Sicht genommen,
auf das wesentliche besonnen

Licht in allen Facetten,
die Realität, die wir gern gesehen hätten

Ein stiller Ausblick 

Die Arbeit setzt sich mit Raum, Ausblick und der Frage nach Nutzung und Nichtnutzung auseinander. In dem ansonsten leeren Zimmer entstand eine Installation aus mehreren frei im Raum verteilten Spiegeln auf Staffeleien in verschiedenen Größen. Das Gredhaus in Meersburg befindet sich in privilegierter Lage, direkt in erster Reihe am Bodensee. Die ehemalige Hausmeisterwohnung steht seit Jahren leer. Dort liegt ein ungenutzter Raum mit wertvollem Parkettboden, hohen Decken und einer Sitznische am Fenster. Bereits beim Betreten öffnet sich das Zimmer im zweiten Stock zum Wasser hin. Ein Raum, der auf einen einzigen Ausblick ausgerichtet ist – und dennoch der Öffentlichkeit ungenutzt verborgen bleibt. Ein Raum, der sieht, ohne selbst gesehen zu werden. SEE(N)SUCHT Die Suche nach dem See beginnt bereits im Flur. Über einen ersten Spiegel lässt sich ein flüchtiger Blick ins Freie erhaschen. Die Sehnsucht nach dem Ausblick wird geweckt. Betritt man jedoch den Raum, bleibt der direkte Blick auf den See zunächst verwehrt. Großformatige Spiegel verdecken das Fenster und versperren die Sicht nach draußen. Und doch bleibt der See präsent. Sein Bild erscheint indirekt, gebrochen und vermittelt. Fenster und Landschaft zeigen sich nur in den Spiegelungen dem Betrachter und erstmal nicht direkt. PROJEKTION Die Spiegel greifen Ausschnitte des Ausblicks auf und vervielfachen sie. Ähnlich eines Kaleidoskops entsteht eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven und Blickachsen. Der verwehrte Blick wird eingefangen, fragmentiert und neu zusammengesetzt. Obwohl die Installation auf einen konkreten Betrachtungspunkt am Eingang des Raumes ausgerichtet ist, entfaltet sie ihre Wirkung ebenso in der Bewegung. Mit jedem Schritt eröffnen sich neue Ansichten und Spiegelungen. Der Raum verändert sich fortwährend, und der Blick scheint immer tiefer in die vielfach reflektierten Bilder einzutauchen. 


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